Krank durch Windkraft
Das Thema trifft einen Nerv: Bereits lange vor Veranstaltungsbeginn füllte sich das Bürgerzentrum in Eitorf bis auf den letzten Platz. Zahlreiche Interessierte verfolgten stehend die Veranstaltung der Bürgerinitiative „Gegenwind Eitorf & Ruppichteroth“, bei der die gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraftanlagen im Mittelpunkt standen.
Unter dem Titel „Krank durch Windkraft“ berichteten Betroffene sowie Fachleute der Deutschen Schutz-Gemeinschaft Schall für Mensch und Tier e.V. (DSGS) von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen.
Den Abend eröffnete Ralph Lorenz, Mitinitiator der Bürgerinitiative, mit einem Dank an die zahlreichen Helferinnen und Helfer. Er betonte die Wichtigkeit des Engagements und wies auf die aktuell laufende Einspruchsfrist gegen die geplanten Windkraftanlagen hin. Bereits vorbereitete Muster-Stellungnahmen lagen aus oder konnten digital angefordert werden.
Lorenz kritisierte die politische Entwicklung deutlich: „Die Bundesregierung hat durch mehr als 50 Gesetzesänderungen unter Minister Habeck und Staatssekretär Grigoleit die Mitbestimmungsrechte der Bürger massiv eingeschränkt.“ Auch Umweltverträglichkeitsprüfungen würden zunehmend umgangen.
Infraschall: Gefahr für Mensch und Tier?
Besonders eindringlich war der Vortrag von Peter P. Jaeger, Vorsitzender der DSGS e.V., der die gesundheitlichen Risiken von Infraschall thematisierte. Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen seien nur einige der möglichen Folgen – teils bereits in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern.
Der zweite Vorsitzende Reinhard Hollenhorst untermauerte dies mit technischen Erklärungen zur Entstehung und Ausbreitung tieffrequenter Schwingungen. Als Unternehmer schilderte er drastische Auswirkungen auf seinen eigenen Betrieb: „Wir mussten unseren Standort mit über 30 Mitarbeitern aufgeben – die gesundheitlichen Belastungen machten ein Arbeiten unmöglich.“
Ein wissenschaftlicher Aspekt, der besondere Beachtung fand, war die Entdeckung der PIEZO-Kanäle, wofür 2021 der Medizin-Nobelpreis vergeben wurde. Diese Druck- und Schallrezeptoren gelten als zentraler Mechanismus, über den Infraschall in biologische Prozesse eingreift. „Wir stehen an einem Wendepunkt der Umweltmedizin“, so Dr. Bellut-Staeck. „Die unsichtbaren Gefahren tieffrequenter Emissionen dürfen nicht länger ignoriert werden.“
Rechtliche Lage zunehmend kritisch
Auch rechtliche Fragen kamen zur Sprache. Die EU-Notfallverordnung ist ausgelaufen, doch mit der geplanten Umsetzung der RED III-Richtlinie wird der Genehmigungsprozess weiter beschleunigt – oft zulasten gründlicher Prüfungen und öffentlicher Beteiligung. Die Bürgerinitiative rief deshalb alle Besucher dazu auf, Einwendungen einzureichen und die Diskussion in die Öffentlichkeit zu tragen.
Fazit: Der Widerstand wächst
Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeigte deutlich, wie stark das Thema die Region bewegt. Viele Besucher verließen die Veranstaltung mit neuem Wissen, Material zur weiteren Verbreitung – und vor allem dem Gefühl: „Wir sind nicht allein.“ Der gemeinsame Einsatz für Gesundheit, Umwelt und Lebensqualität wächst – und mit ihm der Widerstand gegen eine Politik des Durchwinkens.
